Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut  in Tornesch von 1985 e.V. 

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Hier können sie die im Jahre 2008 erstellte Liste:
Flora Liether Kalkgrube ansehen und herunterladen.

Pflanzen in der Liether Kalkgrube

Die  besonderen Bodenverhältnisse der Liether Kalkgrube wie die große Bodentrockenheit durch schnellen Wasserabzug,  die hohe Sonneneinstrahlung wegen der nicht geschlossenen  Baumschicht, die höheren Temperaturen in Bodennähe und die starke Wärmeabstrahlung des Bodens ebenso wie der  Kalkgehalt und die Nährstoffarmut des Bodens haben in wenigen Jahren nach Brachliegen des Abbaubetriebes eine sehr spezialisierte,  blütenreiche Pflanzengesellschaft mit vielen seltenen Pflanzenarten hervorgebracht. Dieser Lebensraum kommt in Schleswig-Holstein  nicht  häufig vor.  Viele   Insekten und andere Wirbellose   besiedeln die Pflanzen dieses offenen Landschaftstyps

Kalkmagerrasen

Wegen der schnellen Aufwärmung des Magerrasens im Frühjahr findet man hier, bevor irgend woanders etwas grünt oder blüht, die ersten Frühlingsboten wie den  Huflattich (Tussilago farfara). An den sonnigen  Hängen schieben sich im Vorfrühling überall die Stängel mit einer dem Löwenzahn ähnlichen Blüte aus dem Erdreich, lange bevor seine Blätter herauskommen und bietet  damit  vielen Blütenbesuchern ein frühes Nahrungsangebot. 

Huflattich

  Viele hier stehende Arten zeigen ausgeprägte Anpassungen an sehr trockene Standorte. So  hat das  Frühlingshabichtskraut (Hieracium pilosella), das am Hang rechts vom Weg ausgedehnte lockere Rasen bildet, eine starke Behaarung als Schutz gegen Austrocknung. Achten Sie darauf, dass man dort immer noch offenen Boden zwischen den einzelnen Habichtskräutern sieht. Daran merkt man, dass es eine Pionierpflanze ist, die Lebensraum vor anderen Pflanzen erobert.

Andere Arten weisen einen hohen Wurzelanteil auf, wodurch die notwendige Wasserversorgung sicher gestellt ist, so der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvensis), auch Zinnkraut genannt. Er steht gleich  vor dem Eingang links  am Hang. Das Zinnkraut enthält viel Silikat, weshalb man die Pflanze früher zum Silberputzen verwendet hat. Diese Kieselsäure ermöglicht dem Schachtelhalm die Existenz an sehr trockenen Standorten, denn es gibt  Festigkeit, auch ohne viel Wasserzufuhr.

Ein anderes Beispiel  für ein ausgedehntes Wurzelgeflecht ist der Gemeine Hornklee (Lotus corniculatus). Gemein ist eine alte Bezeichnung für ‚allgemein’, ‚weit verbreitet’. Über dem Boden wird die gelb blühende Pflanze nur 5 – 30 cm hoch, während ihre Wurzeln bis zu 1 m tief gehen. Er wächst überall vom Eingang  an  am Wegrand und an den Hängen. Er ist die Hauptfutterpflanze der Bläulingsraupen. Die kleinen Schmetterlinge, die man Bläulinge nennt,  sind auf Magerrasenbiotope spezialisiert und geben diesem  Lebensraum den Namen ‚Bläulingsgesellchaft’. Man kann im Juni, wenn die erste Generation der adulten Schmetterlinge geschlüpft ist, sehr viele dieser  blauen oder dunklen relativ kleinen Schmetterlinge fliegen sehen.

Gemeiner Hornklee

Das geringe Nährstoffangebot des Trockenrasens wird von einigen Pflanzen auch durch das Zusammenleben mit Knöllchenbakterien aufgebessert. Diese Bakterien  bereiten zusätzlichen  Stickstoff auf, der in diesem Boden wenig vorhanden ist, im Gegenzug dafür erhalten die in den Wurzeln sitzenden Bakterien  Nährstoffe und Wasser erhalten. Zu dieser Gruppe gehören die hier reichlich vertretenen Schmetterlingsblütler, so der Gemeine Hornklee, die übrigen Kleearten und die Wickenarten.

Es breiten sich hier auch Halbschmarotzer wie der kleine Klappertopf (Rhinanthus minor), welcher im Bereich hinter dem rechten Teich zu finden ist, oder der sehr seltene Salzburger Augentrost (Euphrasia salisburgensis)der überall an den Hängen der Kalkgrube vorkommt, aus. Diese reichern ihren Nährsalzbedarf durch Anzapfen anderer Wurzeln an.

Ein weiterer typischer Vertreter des Magerrasens ist die  Wilde Möhre (Daucus carota). Sie hat sich entlang des Weges hauptsächlich an der rechten Seite ausgebreitet. Ihr Duft erinnert an die Mohrrüben in unseren Küchen. Schließlich ist sie die Stammform unserer Karotten. Sie  hat einen     schwarzen Punkt, eine sterile Blüte auf ihrer Dolde. Daher rührt der  Name Möhre, abgeleitet vom alten Wort Mohr für schwarz. Dieser schwarze Punkt dient dazu, Insekten anzuziehen.  

 Wilde Möhre

Im Spätsommer fallen im oberen Bereich der Liether Kalkgrube die gelb blühenden drei Königskerzenarten (Verbascum spec.) und die Nachtkerze ( Oenothera nocturna)  ins Auge. Bei der Nachtkerze blüht immer nur eine Blüte etwa eine Nacht lang.  Der von ihr ausströmende Duft zieht abends Schmetterlinge an, die durch das Nektarsaugen die Blütenbestäubung erledigen.

Kalkreiche Quellfluren

Im unteren Teil der Kalkgrube ist es immer noch kalkhaltig, aber feucht. Dort steht keine Wilde Möhre mehr. Andere Pflanzen nehmen den Standort ein.

Das Sumpfherzblatt (Parnassia palustris) ist ein typischer

Vertreter kalkhaltiger Niedermoore. Der Name verrät uns schon, dass das Blatt eine Herzform hat. Dass es hier im unteren Teil der Kalkgrube so reichlich vertreten ist, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine sehr seltene Pflanze ist, ebenso das am hinteren Ufer des rechten Teichbereichs anzutreffende Tausendgüldenkraut (Centaurium minus). 

Sumpfherzblatt

Zusammen mit dem Tausendgüldenkraut wachsen auch die zwei Orchideenarten, die wie alle Orchideen wegen ihrer starken Gefährdung seit langem unter Naturschutz stehen. Die  Sumpfstendelwurz (Eppactis palustris) und das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) sind hier hauptsächlich vertreten und zeigen zur Zeit sogar eine Bestandszunahme. Das liegt vielleicht an dem für sie geeigneten Stickstoff armen Kalkmagerrasen und daran, dass die Fläche aus der Nutzung genommen ist. Die Orchideen sind besonders gefährdet, weil es diesen Lebensraum immer seltener gibt; überall, wo Land genutzt wird, wird  entwässert und gedüngt. Auch Abpflücken und Ausgraben haben ihren Bestand immer wieder dezimiert. 

A. Wasmann-Frahm                                                               April 2004

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